Nachhaltigkeitsmanagementsysteme in der Agrarproduktion
Veronika Hannus
Die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland steht immer wieder in der öffentlichen Diskussion. Als Reaktion werden die Landwirte durch Auflagen, wie beispielsweise durch die geplante Novellierung der Düngeverordnung, gezwungen ökologisch nachhaltiger zu handeln. Nachhaltigkeitsmanagementsysteme (NMS) bieten für Unternehmen Möglichkeiten zu systematischer ökologischer, ökonomischer und sozialer Verbesserung. Mit aktiver Nutzung solcher Managementansätze in den Betrieben könnte mehr unternehmerischer Spielraum für eine zukunftsfähige Entwicklung der Betriebe geschaffen werden.
Als aktuell bedeutendste Management- bzw. Bewertungssysteme für Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft im deutschsprachigen Raum gelten:
- das Kriteriensystem nachhaltige Landwirtschaft (KSNL),
- das DLG-Zertifizierungssystem für nachhaltige Landwirtschaft sowie
- die „Maßnahmenorientierte Nachhaltigkeitsanalyse“ – Response Inducing Sustainability Evaluation (RISE).
Bisher werden systematische Nachhaltigkeitsmanagementansätze in der Agrarproduktion in Deutschland jedoch nur in sehr geringen Umfang genutzt. Das wird unter anderem zurückgeführt auf: schwer quantifizierbaren Aufwand in der Datenerfassung und Auswertung, häufig schwer erkennbaren Nutzen und sehr komplexe Strukturen der spezifischen NMS des Sektors.
Das Dissertationsvorhaben widmet sich daher folgenden Forschungsfragen:
- Warum setzen Unternehmen der Agrar- und Ernährungsbranche nicht mehr Nachhaltigkeitsmanagementsysteme ein?
- Welche Faktoren sind in einer Entscheidungssituation für / gegen die Nutzung eines Nachhaltigkeitsmanagementsystems ausschlaggebend?
- Wie sind die verschiedenen Teilaspekte bei Entscheidungen von Unternehmern hinsichtlich systematischen Nachhaltigkeitsmanagements gewichtet?
Zur Beantwortung der Forschungsfragen müssen nicht direkt beobachtbare, latente Präferenzstrukturen der Unternehmer analysiert werden. Dazu sollen Discrete Choice Experimente zur Messung der latenten Präferenzen der Unternehmer durchgeführt werden. Diese Methode bietet unter anderem Möglichkeiten zur Kombination von monetären und nicht monetären Einflussgrößen.
Ziel ist die Gewinnung statistisch abgesicherter Erkenntnisse über die Entscheidungsstrukturen von Unternehmern in der Landwirtschaft, um künftig Nachhaltigkeitsmanagementsysteme zu verbessern oder neu zu modellieren, so dass diese von der Branche rasch angenommen und genutzt werden.