Optimierung der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette durch Kooperation – Empirische Politikempfehlungen für Bayern
Dr. Corina Jantke
Möchte ein Landwirt seinen Betrieb stärken und seine Wertschöpfung verbessern, ist eine Kooperation, sei diese horizontal, vertikal oder diagonal, ein probates Mittel. Es dient der Optimierung von Kosten und Arbeitszeit und verspricht insbesondere Erfolg, wenn die Kooperation über den Zusammenschluss mit Kollegen der gleichen Wertschöpfungsstufe hinauswächst und Unternehmen der vor- und nachgelagerten Bereiche in der Region einbezieht. Gerade in Bayern bieten Kooperationen der Vielzahl kleinerer landwirtschaftlicher bzw. bäuerlicher Familienbetriebe die Möglichkeit, weiterhin konkurrenzfähig zu produzieren und zu vermarkten und so das Einkommen zu sichern.
Ungeachtet der erreichbaren Vorteile halten dennoch verschiedene Bedenken Landwirte von der Zusammenarbeit mit Wettbewerbern oder Marktpartnern ab. Unter diesem Aspekt und angesichts der fortgesetzten Bemühungen der Erzeuger als auch der Politik um die Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe sowie zur Stärkung der Position der Erzeuger in der Wertschöpfungskette Lebensmittel ist die Effizienz bzw. Produktivität landwirtschaftlicher Kooperationen ein sehr bedeutendes Thema. Ungeachtet dessen wurde in der Literatur dazu noch nicht zufriedenstellend empirisch berichtet und auch auf betrieblicher Seite ist noch keine abschließende Lösung gefunden, den Erfolg von Kooperationen zu messen.
Vor diesem Hintergrund widmet sich das Forscherteam der Untersuchung folgender Aspekte:
• Relevanz und Stabilität von Kooperationsformen in der landwirtschaftlichen Praxis
• Beweggründe der Kooperationspartner zur Zusammenarbeit
• Faktoren und deren Ausgestaltung für den kollektiven Erfolg einer Kooperation
• Wirtschaftliche Effekte der einzelnen Kooperationsformen
• Wahrnehmung des Erfolges der Kooperation von den einzelnen Mitgliedern
• Maßnahmen der Kooperationspartner in Abhängigkeit von ihrer Position in der Wertschöpfungskette für den Kooperationserfolg
• Erfahrungen mit Kooperationen in europäischen Nachbarstaaten
• Nutzen und Möglichkeiten der Förderung kooperativen Verhaltens
• Gestaltung & Kombination staatlicher Maßnahmen zur Erhöhung der Kooperationswahrscheinlichkeit und Kooperationsstabilität
• Beitrag des Bayerischen Agrarwirtschaftsgesetzes zur kooperativen Zusammenarbeit in Bayern
Vorgehensweise: Zunächst werden Formen und Sinn von Kooperationen in Agrarsektoren Europas entlang der Wertschöpfungsketten erfasst und hinsichtlich bestehender Kooperationen verschiedener Sektoren und Regionen hinweg typisiert. Dem folgt eine theoretische Untersuchung des wirtschaftlichen Effektes solcher Kooperationen sowie ihrer organisationalen Stabilität. Anschließend werden Hypothesen für eine Erhöhung der wirtschaftlichen Schlagkraft von Kooperationen abgeleitet. Nach Auswahl verschiedener Sektoren mit sehr unterschiedlichen Kooperationsformen werden im zweiten, empirischen Teil mit der Hilfe geeigneter statistischer Verfahren (hier v.a. Regressionsanalysen) betriebsspezifische Datensätze hinsichtlich Effizienz, Rentabilität, Mitgliedereinkommen etc. analysiert. Diese Datensätze sollen mit eigenen Umfragen unter z. B. Erzeuger- und Arbeitsgemeinschaften angereichert werden. Abschließend werden choice experiments durchgeführt, um geeignete unternehmerische und politische Maßnahmenbündel zur Initiierung und Stärkung von Kooperationen je Sektor zu identifizieren.
Das Projekt selbst wird in Kooperation mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte bearbeitet.
Das Projekt wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF).